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Informationstagung "gefährliche Tiere" Castrop-Rauxel

Informationstagung zum Thema "Gefährliche Tiere, Haltung, Handel und
Risiken"

von Florian Giese

Am 27.Februar fand in der Europahalle von

Castrop-Rauxel  in Zusammenarbeit vom
ASPE-Institut GmbH, dem Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft
und Verbraucherschutz des Landes NRW (MUNLV) und NUA (Natur- und
Umweltschutzakademie NRW) eine Informationstagung zum Thema Gefährliche Tiere
statt.





Das Land NRW möchte mit dieser Veranstaltung vor allem Aufklärungsarbeit leisten und nicht nur den „Alten Hasen“ in den Behörden aufzeigen, dass eine sichere Haltung so genannter „potenziell gefährlicher Arten“ durchaus zu bewerkstelligen ist. Ein generelles Verbot würde nur die illegale Haltung unterstützen und Kontrollen wären fast unmöglich.
Ziel der Tagung war es, über tier- und artenschutzgerechten Umgang sowie Haltung, Versorgung sowie Schutzmaßnahmen von gefährlichen und giftigen Tieren zu informieren.

Dr. med. vet. Markus Baur und Tierarzt Tobias Friz von der Reptilienauffangstation München hielten mehrere Vorträge zum Thema.

Insbesondere möchte ich hier in meinem Fazit auf den ersten Vortrag eingehen.


-Was sind eigentlich "gefährliche Tiere wildlebender Arten"?


-Woher bezieht ein Tierhalter diese Tiere, besteht eine


-Handelsrelevanz und wie sieht eine Ankaufsberatung aus


-Gesetzeslücken und Problemfelder

 

 

 

 

Zuallererst müssen wir uns im Klaren sein, was "gefährliche Tiere wildlebender Arten" eigentlich sind.

Dr. Baur machte an Fallbeispielen klar, dass wir hier zwischen einer objektiv nachvollziehbaren Gefahr (Gift, Kraft und Größe des Tieres) und der subjektiven Gefahr (Angst, Ekel) unterscheiden müssen.

Die subjektive Gefahr wird uns meist von unserer Gesellschaft weisgemacht, indem uns zum Beispiel im Fernsehen gezeigt wird, wie gefährlich doch Schlangen sind. An dieser Stelle muss ganz klar gesagt werden, dass diese so genannten Dokumentationen kein wirkliches Wissen vermitteln sondern mit der subjektiven Angst die Zuschauer an sich binden wollen.

Leider gibt es in diesem Zusammenhang auch andere für unser Hobby ebenso negative Sendungen, wo sich zum Beispiel ein australischer „Fachmann“ erst einmal todesmutig auf alles stürzt was irgendwo rumläuft und uns dann erklärt wie gefährlich doch dieses Tier ist.

 

Können wir nun zwischen der objektiven und der subjektiven Gefahr klar trennen, stehen wir vor dem nächsten Problem: Ist ein Tier sofort gefährlich, wenn es giftig ist?

Diese Frage kann man eigentlich so nicht direkt beantworten. Zum einen wurde in neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen festgestellt, dass zum Beispiel im Speichel der in Terrarien oftmals gehaltenen Bartagamen (Pogona sp.) und Strumpfbandnattern (Thamnophis sp.) ebenfalls ein Toxin nachgewiesen wurde. Zum anderen besitzt zwar der Kaiserskorpion (Pandinus imperator) auch ein Gift, allerdings kommt besagter Skorpion nicht über die Giftwirkung einer Biene hinaus, sofern er irgendwann mal seinen Stachel einsetzen sollte.

 

Kommen wir nun zu einem Punkt, in der wir Tierarten haben, die zum Beispiel ein Gift besitzen, oder aber von denen allein durch ihre Größe und Kraft eine objektiv nachvollziehbare Gefahr ausgeht: landwirtschaftliche Nutztiere. Ein Pferdehalter oder ein Imker halten dementsprechend auch potenziell gefährliche Tiere. Bei dieser Tierhaltung wird aber die Gefahr heruntergespielt, beziehungsweise sie wird erst gar nicht angesprochen, da unsere Gesellschaft die Haltung dieser Tiere eher akzeptiert. Ich persönlich lasse mich aber, wenn ich vor die Wahl gestellt würde, lieber von einem Baumpython beißen, als mich von einem ausgewachsenen Zuchtbullen auf die Hörner zu nehmen.

Nun, woher kommt also dieses einseitige Denken, dass exotische Arten eher als potenziell gefährlich eingestuft werden als die Nutztiere? Zum einen halt durch die lange Zeit in der die Nutztiere bereits gehalten werden, zum anderen mit Sicherheit durch die Angst vor dem Exotischen. Natürlich spielen hier auch die Medien wieder eine große Rolle, da Krokodile, Kobras und co. eine bessere Einschaltquote bringen.

Es gibt aber noch einen weiteren Punkt. So genannte „Tierschutzorganisationen“, die die Haltung exotischer Arten grundsätzlich verbieten wollen. Leider werden diese dubiosen Organisationen teilweise  auch als Fachleute bestellt, wenn es um Gesetzesentwürfe geht. So geschehen vor kurzem in Hessen. Leider ist der Begriff „Fachmann“ in den meisten Wörterbüchern auch nur unzureichend erklärt und manch eine Person, die noch nicht mal ein Reptil in freier Natur live gesehen hat, nennt sich in den Weiten des Internets auf seiner eigenen Homepage gleich „Fachkraft für Reptilien“.

 

Haben wir nun aber eine Liste ausgearbeitet mit wirklich potenziell gefährlichen Arten, stehen wir direkt vor dem nächsten Problem.

Durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse werden alle Tage lang die wissenschaftlichen Bezeichnungen in der Nomenklatur durcheinander geworfen, Unterarten erhalten Artstatus oder werden zu anderen Gattungen gezählt.

Hier hat der potenzielle Halter schon mal ein Schlupfloch gefunden, denn die neue Nomenklatur steht nicht auf besagter Liste und schon ist diese Art gesetzlich nicht mehr gefährlich.

Des Weiteren haben wir leider keine bundeseinheitliche Regelung, welche Arten wirklich gefährlich sind. Als Beispiel führte Herr Dr. Baur die Stadt Ulm an. In Baden-Württemberg gibt es laut Gesetzgeber keine diesbezügliche Regelung. Zieht man aber drei Straßen weiter nach Neu-Ulm (Bayern) ist es plötzlich verboten viele Arten zu Halten. Auch dies ist ein Paradoxon, welches eigentlich nicht sein kann, denn:

Gefahr kennt keine Grenzen!

Auch macht der Gesetzgeber Unterschiede zwischen privater und gewerblicher Haltung. Einem Privatmann ist es meist grundsätzlich untersagt, potenziell gefährliche Arten zu Halten. Als Gewerbetreibender hat man hingegen meist keine Probleme. Wobei schon im Grundgesetz das Gleichheitsgebot steht, dass alle Personen gleich behandelt werden müssen.

 

Im Laufe des Nachmittages haben Dr. med. vet. Markus Baur und TA Tobias Friz kleinen Gruppen von ca. 12 Personen den sicheren Umgang mit „potenziell gefährlichen Tieren“ gezeigt. An einem Teju (Tupinambis merianae), sowie einem Teppichpython (Morelia spilota ssp.), welche dankenswerterweise von der Firma AZ-Terraristik in Essen zur Verfügung gestellt wurden, demonstrierten die beiden Tierärzte den korrekten Umgang mit Hilfsmitteln wie Schlangenhaken und Greifer. Auch die Verwendung geeigneter Schutzhandschuhe ist nicht „uncool“ wie Herr Dr. Baur immer wieder betonte. Die Vertreter der Behörden (Ordnungsamt, Veterinäramt,…) waren von diesem praktischen Workshop sehr beeindruckt. Allerdings gaben die Referendaren immer wieder zu bedenken, dass wenn man eine Person hätte, die man vorschicken könne (privater Halter, Feuerwehr,…), sollten die Beamten diesen auch zu Rate ziehen. Einen neuen Beamten einzustellen, da der andere im Krankenhaus liegt, wäre schließlich zu viel Verwaltungsaufwand. Auch die Suche nach einer guten „Ersatz-Tierarzthelferin“ gestaltet sich mitunter als schwierig. Daher sollten im Fall der Fälle, Tierärzte doch auf reptilienkundige Kollegen verweisen, wenn sie sich die Behandlung nicht zutrauen.

Anhand von Bildern der Reptilienauffangstation München belegten beide Tierärzte, dass man für sicheren Umgang und sichere Haltung der Gefahrtiere nur ein paar Dinge beachten muss. Allerdings sollte man sich dann auch wirklich strikt an diese Regeln halten.














Vertreter der „Reptilienfachgruppe“ der Feuerwehr Düsseldorf waren ebenfalls anwesend und präsentierten in einem Vortrag ihre Arbeit. Diese Gruppe wird zur zeit von Michael Harzbecker geleitet. Ziel dieser Gruppe ist es, in Notfällen entwichene Tiere wieder einzufangen und generell Hilfestellung zu leisten, wenn Gefahr im Verzug ist. Alle Gruppenmitglieder haben nicht nur die allgemeine Sachkunde in Deutschland mit der Zusatzqualifikation gefährliche Tiere erworben sondern müssen einmal im Jahr an einer Weiterbildung in der Schweiz teilnehmen. Auch wenn man die Zahl der Einsätze, zu denen sie im Jahr gerufen werden an einer Hand abzählen kann, ist es zu begrüßen, dass die Feuerwehr gut geschultes Fachpersonal beschäftigt, die im Notfall wissen was zu tun ist. Manch ein Polizist zückt selbst bei der harmlosesten Ringelnatter sofort die Dienstwaffe fügte Dr. Baur wieder humorvoll hinzu.








Mein Fazit dieser Veranstaltung also lautet:

Es gibt Probleme in der Gesetzgebung zur Haltung potenziell gefährlicher Arten. Aber diese Probleme müssen behoben werden und es muss weiterhin Aufklärung betrieben werden, zum Beispiel durch so eine Veranstaltung.

Dass wir eine Einschränkung zur Haltung dieser Arten benötigen, sehe ich als selbstverständlich. Allerdings sollten diesmal richtige Fachleute (DGHT, ViVe, VDA, etc.)  zur Rate gezogen werden. Ein grundsätzliches Haltungsverbot bringt rein gar nichts, sondern fördert unter Umständen wieder die Illegale Haltung. Auch Kontrollen wären schwer zu bewerkstelligen. Das Ablegen der allgemeinen Sachkunde wäre auf jeden Fall schon mal ein Schritt in die richtige Richtung

Ich begrüße allerdings, dass das Land NRW durch diese Veranstaltung Aufklärung betreiben will und hoffe, dass diese Veranstaltung noch mal wiederholt wird. Allerdings sollte man die Gästezahl doch etwas begrenzen. Knapp 140 Zuschauer sprengten teilweise doch den Rahmen und es war in den letzten Reihen doch sehr schwer noch etwas auf der Leinwand zu erkennen.

Alles in allem bleibt dennoch zu sagen, dass es eine sehr gelungene Tagung  war. Es gab zwar hier und da ein paar Kritikpunkte, aber ich gebe zu bedenken, dass es die erste Veranstaltung zu diesem Thema war.

 

Sollten Sie weitere Fragen zum Thema Haltung giftiger Tiere und deren Risiken haben, möchte ich Ihnen noch das Serum-Depot Berlin/Europe e.V. (http://www.serumdepot.de/) ans Herz legen. Hier erhalten Sie reichlich Informationen nicht nur zum Thema sichere Haltung von Giftschlangen.

 

Danksagung

Selbstverständlich möchte ich mich noch bei Dr. med. vet. Markus Baur und Tierarzt Tobias Friz bedanken, die die weite Reise aus München angetreten sind um uns Einblicke in Thema „Haltung, Handel und Risiken potenziell gefährlicher Tiere“ zu bescheren.

Weiterhin geht mein Dank an das Land NRW, das ASPE-Institut und die NUA, die statt zu verbieten Aufklärungsarbeit leisten wollen. Dies ist meines Erachtens der einzige richtige Weg.

Und last but not least geht auch ein Dank an Bernd Skubowius, der mir bei der Ausarbeitung dieses Rückblicks stark unter die Arme gegriffen hat.

 

Florian Giese, Duisburg im März 2010


Anmerkung
Wir bedanken uns bei Florian Giese für diesen sehr interessanten Bericht. Einen dickes Dankeschön auch an die Fotografen vor Ort, für die Bereitstellung der Fotos.








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